Europäisches Schützentreffen in Mayen
Drei Tage lang war Mayen europäische Schützenhauptstadt. Das kleine, romantische Eifelstädtchen beherbergte Ende August 15.000 Schützen aus zwölf Nationen, die mit Otto von Habsburg den 50. Geburtstag der Europäischen Gemeinschaft historischer Schützen (EGS) feierten. Das Geburtstagsfest, liebevoll vorbereitet und bestens organisiert von einem rührigen Komitee um den Mayener Brudermeister Jürgen Kreusch und den Trierer Diözesanbundesmeister Erwin Pauken, setzte Zeichen europäischer Verbundenheit.
Es waren Tage der Begegnung, des Kennenlernes und des Verstehens. Denn "die kulturelle Vielfalt macht die Stärke Europas und unserer Schützenfamilie aus", wie Europa-Generalsekretär Lothar Heupts betonte. Und so boten Marktplatz und Burghalle als Treffpunkt die Plattform für vielfältige Begegnungen und eindrucksvolle Zeichen der völkerverbindende Freundschaft. Musikanten aus Polen, Tänzer aus Tschechien, Böllerschützen aus Österreich, Brauchtumsfreunde aus Schweden, den Niederlanden und Belgien standen zusammen, sprachen miteinander und tranken heimisches Bier oder Obstler, den Marketenderinnen aus Österreich feilboten. Da spielten polnische Musiker den preußischen Präsentiermarsch (!), zeigten Traditionalisten aus den Niederlanden und Belgien ihre königstreue Gesinnung auf Wappen und Fahnen.
Der 93jährige Otto von Habsburg, greiser Sohn des letzten österreischen Kaisers, rief den Schützen kraftvoll und begeisternd zu, sich nicht unterkriegen zu lassen und mutig das Leben in christlicher Verantwortung anzugehen. Richtungsweisend war das Symposium, dessen Ansprachen, simultan übersetzt, deutlich machten: Europas Zukunft liegt bei Menschen mit Überzeugungen. Ohne Werte keine Orientierung.
So war das Schützentreffen inhaltsreich und fröhlich zugleich, ein würdiges Geburtstagsfest, das EGS-Präsident Juan Graf t´kind de Roodenbeeke sichtlich genoß. Er dankte den versammelten Schützen für ihre Treue und Einsatzfreude und ließ die Schützen hochleben, die beim Jubiläumsschießen erfolgreich gewesen waren. Dem Dank schloß sich auch Hochmeister Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein an, der für den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften gratulierte und die Gastfreundschaft der Mayener Schützen lobte.
Zum öffentlichen Glaubensbekenntnis wurde das beeindruckende Pontifikalamt vor der Herz-Jesu-Kirche mit dem Trierer Bischof Reinhard Marx, selbst Schützenbruder in seiner Heimatgemeinde Geseeke. Der Bischof, noch von der Begegnung mit dem Papst und den vielen jungen Gläubigen beim Weltjugendtag stimuliert, forderte die Schützen auf, nicht zu verzagen, sondern ihren Glauben immer neu anzunehmen. Seinen Segen gab der Bischof auch den neuen Rittern des Ordens vom heiligen Sebastianus in Europa, die Großmeister Otto von Habsburg während der Messe berief. Den Ritterschlag nahm unter anderem auch Habsburgs Sohn Karl in Empfang, der dem Vater im Orden nachfolgen soll. Zum Ende des Gottesdienstes betonte der pheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck in seiner Ansprache die gesellschaftliche Kraft des Schützen- und Bruderschaftswesens und dankte für soziales Tun und bürgerschaftliche Verantwortung.
Beck war es auch, der mit Bischof Marx den Festzug der 15.000 Schützen anführte, den Menschen am Straßenrand zuwinkte und von den Bürgern mit Beifall begrüßt wurde. Der Landesvater sah sich den farbenfrohen Festzug der Schützenkompanien an, freute sich mit Schützen und Gästen über einen Sonnentag in Mayen und war beim Abschlußempfang des Oberbürgermeisters im alten Rathaus voll des Lobes. "Danke, vielen Dank", sagte zum Abschied auch Otto von Habsburg, der vom eifrigen Mitorganisator Peter Backes zum Flughafen gebracht wurde und trotz der Anstrengungen glücklich ins bayerische Pöcking zurückkehrte.
Horst Thoren